Underground-Comics
Eine rebellische, antikulturelle Bewegung gegen das damalige Regime und alle sonstig etablierten Richtlinien waren das Kernstück und die ideologische Motivation der Underground Comic Szene in Amerikas Sechziger- und Siebzigerjahren. Besonders in San Francisco, dem Ursprungsort der Underground Comics, aber auch in anderen Ballungsräumen wie Chicago, Austin, New York und Texas veröffentlichten Kleinverlage oder sogar Künstler, wie Vaughn Bode, Robert Crumb, Ted Richards und viele andere, selbst ihre von der Regierung verpönten Werke. Die neuartigen Comics präsentierten ihren Käufern nicht nur ganz frischen Lesestoff, sondern veranschaulichten den experimentellen Lebensstil der „Freaks“. Ein in den Comicheften propagiert ungeniertes und ungehemmtes Sexualleben sollte die Aufmerksamkeit politischer Führungskräfte auf sich ziehen. Bewusstseinsverändernde Drogen sollten helfen, sich selbst zu verwirklichen und in unbekannte Wahrnehmungszustände vorzudringen. Doch nicht nur von der gegenwärtigen Gesellschaft wollte man sich mit der Underground Strömung abheben, sondern auch von deren Mainstream-Comics und ihrer Substanz. So etablierte sich zugleich die Schreibweise ComiX mit einem X am Ende des Wortes, anstelle des üblichen Ausdrucks. Neben der drastischen Sexdarstellung in den Heften wurden vor allem gewaltverherrlichende Szenen publiziert. Der eigentliche Underground Begriff wurde 1966 von Bhob Stewart auf der New Yorker Comic Convention geprägt, als er vom Vorrücken eines völlig anderen Comic Genres sprach. Dabei zeigte er die Parallelen zu Underground Filmen auf und verwies auf einige Comic Panels aus der Serie East Village Other, welche den Beginn dieser neuen Comicsorte einläuteten. Im Gegensatz zum Herstellungsprozess bei Mainstream-Comics, die meistens von jeweils einzelnen Personen gezeichnet, eingefärbt, geschrieben und nachbearbeitet wurden, war die Produktion eines Underground Comics fast immer auf die Arbeit eines einzelnen Künstlers zurückzuführen. Da sich dieser Vorgang natürlich sehr zeitaufwendig gestaltete, verfassten viele Zeichner eher kurze Storys, mit denen sie sich dann an verschiedenen Sammelbänden beteiligten. Funny Animals aus dem Jahre 1972, mit Beiträgen von Robert Crumb, Bill Griffith, Jay Lynch, Art Spiegelman und Shary Flenniken, ist ein bekanntes Beispiel für diese Art der Publikation. Vertrieben wurden diese Comics oft in Läden, in denen auch Underground Zeitungsblätter und Poster, als auch Equipment für den Drogenkonsum verkauft wurden. Vor allem letzteres begann man Mitte der Siebziger verstärkt zu ahnden, was wiederum oft zur Schließung vieler dieser Shops führte. Für eingefleischte Fans der Underground Comic Szene versiegten somit zahlreiche Anlaufstellen für den Kauf der Hefte uns Bände. Häufig wird die Ära des Genres daher von Historikern um 1980 herum für beendet erklärt, wenn auch unzählige Autoren ihre Arbeit im Stillen weiter fortsetzten. Die populärsten Underground Comics wurden mehrfach vervielfältigt und sind auch heute noch relativ leicht zu bekommen. Einige wurden jedoch in einem einzigen Druckdurchgang produziert, der zudem meist in sehr kleinem Umfang durchgeführt wurde. Diese Comics sind gegenwärtig eine echte Seltenheit und Rarität mit teilweise hohem materiellen Wert.
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