Sachcomic
Sachcomics sind ein noch sehr junges Genre innerhalb der Comic-Kultur. Seit Beginn der Achtzigerjahre nehmen sich immer mehr Autoren dieses Genres an und zeichnen Geschichten der unterschiedlichsten Machart. Die Abgrenzung zwischen Sachcomic und fiktionalem Comic stellt ein ähnliches Problem dar, wie es in der Literatur schon lange von Germanisten diskutiert wird. Denn die Darstellung von vermeintlich allgemeingültigen Sachinformationen ist ebenso wie die rein fiktive Darstellung von Begebenheiten subjektiven Auswahl- und Darstellungskriterien unterworfen. Diese Nähe zur fiktionalen Kunst lässt das Sachcomic in einem anderen Licht erscheinen. Dennoch ist die Unterscheidung von Sach- zu fiktionalem Comic leichter zu treffen, als es in der traditionellen Literatur bei der Unterscheidung von Roman zu Sachbuch möglich ist. Denn die traditionelle Comic-Kunst orientiert sich vornehmlich an hochgradig fantastischen Sujets, die keine Nähe zur realen Welt herstellen wollen. Vielmehr sind sie programmatisch unseren Träumen, Fantasien und Sehnsüchten entlehnt. Das heißt, alle Sujets, die davon Abstand halten und auf direkte, vorhandene Sachzusammenhänge, sei es aus dem technischen, persönlichen oder historischen Bereich, Bezug nehmen, sind dem Sachcomic zuzurechnen. Das wohl berühmteste Sachcomic „Understandig Comics“ von Scott McCloud ist 1993 erstmals erschienen. Es beschäftigt sich mit den grundlegenden Aufbauelementen klassischer Comics und erklärt dem Leser und Betrachter die historische Entwicklung sowie den Aufbau von Comics als sequentielle Kunst, die in einzelnen Bildabfolgen eine besondere und eigenständige Kunstform darstellt. Erstmals wurde hier die Rezeption von Comics in seinem eigenen Medium unter die Lupe genommen. Dieses Sachcomic wurde in viele Sprachen übersetzt und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Dementsprechend wurde es besonders auch in Künstler- und Kritikerkreisen als ein besonderes innovatives Werk gelobt. Seither haben sich die Sujets von Sachcomics vielfältig vermehrt. Das Sachcomic „Mutter hat Krebs“, 2006 von Brian Fies im Knesebeck Verlag veröffentlicht, erzählt die Geschichte seiner eigenen Mutter, die von einer tödlichen Krankheit heimgesucht wird. Fies erzählt eine Reihe Details der eigenen Familiengeschichte und arbeitet diese traumatische Situation in diesem Genre auf. Das etwas skurril anmutende Genre des Comics für die Thematisierung derart prekärer Inhalte hat viel Kritik aber auch viel Lob hervorgerufen. Naturgemäß polarisiert diese Form der biographischen Darstellung die Leserschaft und Kritiker sehr stark. Diese Umstrittenheit ist jedoch spezifisch für innovative Kulturtechniken. Sicher erwarten uns noch viele interessante Beiträge aus diesem Comiczweig, die zu Diskussionen anregen. So erweitert sich die Auswahl der Sujets inzwischen auch auf viele historische Begebenheiten, die von vielen Autoren in immer größerem Umfang aufgearbeitet werden. Gerade in diesem Zusammenhang ist es ratsam, wenn sich Rezipienten und Kritiker in Erinnerung rufen, dass ein Sachcomic tatsächlich nah an der Fiktion bleibt und immer einen subjektiven Blick des Autors formuliert.
Sachcomic: Die besten Serien, bewertet von unseren Lesern
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